Samstag, 6. November 2010, Dannenberg.
Ein Meer von Menschen in der Nähe der Verladestation. Dort, wo sich die Demonstranten verladen fühlen. Von einer Regierung, die dem Anschein nach vor nichts zurückschreckt, um ihre Atompolitik durchzusetzen.
Wider besseres Wissen, gegen die mahnenden und warnenden Worte von Wissenschaftlern, die von anderen Wissenschaftlern scheinbar widerlegt werden. In tiefer Überzeugung? In tiefer Abhängigkeit von denen, die Gegengutachten auf Gegengutachten finanzieren?
Die Menschen protestieren gegen die Regierenden und wenden sich gleichzeitig von ihnen ab. Zu ihnen haben sie jegliches Vertrauen verloren, Profitsucht und die Wahrnehmung der Interessen der Atomindustrie werden über das Allgemeinwohl gestellt.
Sonntag, 7. November 2010, Uelzen.
Vielleicht 20 Polizisten, circa 200 Demonstranten am Gleis 101 des Bahnhofs Uelzen. Ein paar Fahnen, Gespräche zwischen den Polizeibeamten und den Demonstranten, freundlich, es wird sogar gelacht. Lärm eines Hubschraubers, die Stimmung ändert sich schlagartig. Ständige Durchsagen, dass die Verbindung zwischen Celle und Uelzen unterbrochen ist, da sich Personen auf dem Gleisbett befinden. Ersatzbusse rollen an und dann, wie aus dem nichts, kommt er. Ein endlos lang scheinender Zug, voran Personenwagen, dann die weißen Ungetüme, dann wieder Personenwagen. Der Spuk dauert keine Minute, lautes Pfeifkonzert, Ruhe. Die Menschen haben sich verändert, es wird kaum gesprochen. Wut ist in den Gesichtern zu lesen, Tränen werden unterdrückt.
Plötzlich Sirenen von Fahrzeugen der Polizei, es geht Richtung Lüneburg, wo die Beamten erneut das tun müssen, was sie schon in Uelzen irgendwie widerwillig taten.
Montag, 8. November 2010, Uelzen.
Im Fernsehen werden Bilder gezeigt, auf denen Menschen auf Menschen einschlagen. Beruhigend die Nachricht, dass wohl ein friedlicher Weg gefunden wurde, Demonstrierende von den Gleisen zu holen. Polizisten tragen Demonstranten, hunderte, in eine Verwahrstelle für Festgenommene. Hunderte der Festgenommenen schlafen auf der Erde, notdürftig mit Decken oder sonst Wärmendem gegen die Kälte geschützt. Sieht aus wie ein Kriegsgefangenenlager.
Meldung einer Polizeigewerkschaft: Die Beamten sind am Ende ihrer Kräfte, die Versorgung selbst mit Lebensmitteln ist nicht mehr gewährleistet. Und die Demonstranten?
Der Zug des Grauens steht in Dahlenburg.
Überlegen Sie sich genau, mit wem Sie sich anlegen …..
Dieser von einer Rednerin bei der Auftaktveranstaltung gebrauchte Satz mag zunächst wie ein Schlachtruf klingen, wie die Aufforderung zur Gewalt. Ich sehe das anders. Diese Republik befindet sich nach meiner Auffassung in einem Wandel des Demokratieverständnisses. Das begann vor Jahren in Dresden und wurde wiederbelebt in Stuttgart. Der Wandel zeigt sich noch deutlicher in Dannenberg. Er zeigt sich darin, dass viele Menschen erkannt haben, dass es Zeit ist, das eigene Leben in die eigenen Hände zu nehmen, da es den Regierenden offenbar nicht gelingt, eine dem Volk nutzende Gestaltung zu vollziehen.
Gewalt ist derzeit scheinbar der einzige Weg, sich der drohenden Gefahr der Vernichtung der Umwelt und der Menschen durch die gewissenlose Atompolitik vieler Staaten zu erwehren.
Aber nur scheinbar.
Es gibt andere Wege: Ich bin sicher, dass keine Partei, die sich für diese menschenverachtende Politik ausspricht, jemals wieder eine führende Rolle in Deutschland spielen wird. Die Bewegung Stuttgart 21 wird dadurch siegen, dass die dieses unsinnige Bauwerk fördernden Parteien abgewählt werden.
Gorleben wird nicht das Endlager für den Atommüll werden, weil spätestens im Jahre 2013 Schwarz und Gelb entsorgt werden. Und die nicht in Regierungsverantwortung stehenden Parteien sollten mit der Frage konfrontiert werden, ob das, was sie als Regierungspartei geäußert haben, mit dem zu vereinbaren ist, was sie heute so vollmundig von sich geben.
Eine Frage, die sehr klar am 6. November 2010 in Dannenberg an die Grünen ging. Glaubwürdig? Nein danke!
An die, die Gewalt für den richtigen Weg halten: Ich sehe uns, Demonstranten wie Polizisten, in einer Notwehrsituation. Wir haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, uns vor der gewissenlosen Politik der Bundesregierung zu schützen. Dazu bedarf es aber nicht der Gewalt, uns zur Verfügung stehende Mittel werden auch zu einer guten Lösung führen.
Überlegen Sie sich genau, mit wem Sie sich anlegen …..
mit den Bürgern dieses Landes, die Regierungen wie die jetzige künftig nicht mehr zulassen werden.
Das macht Mut.