Wer ist Paul Watson?

Unter Deck sind zwei Matrosen auf hoher See damit beschäftigt, die den Rumpf zusammenhaltenden Nieten des Schiffes zu entfernen, um sie gewinnbringend zu verhökern. Auf diese Szene kommt der Kapitän zu und treibt sie zu schnellerem Arbeiten an, damit auch er angemessen an dem Gewinn beteiligt werden kann.

Eine der Geschichten, die Paul Watson anlässlich eines Vortrages am 11. September 2010 in Hannover hielt.

Paul Watson?

Kanadier, Jahrgang 1950, Mitbegründer von Greenpeace, Mitgliedsnummer 007. 1977 Austritt mit der Begründung, dass Greenpeace ein „Haufen tatenloser Bürokraten“ sei. Zuvor Konfrontation mit der sowjetischen Walfangflotte und bekannt geworden als der Mann, der sich im Schlauchboot schützend zwischen Harpunierern und Walen aufstellte.

Abenteuerlich … ein Held?

Auf den ersten Blick ein freundlicher Herr mittleren Alters. Publikum gemischt, eingeladen hatte die Partei Mensch Umwelt Tierschutz. Auch uns ÖDPler. Alle Zuhörer offensichtlich beseelt von dem Gedanken, dass auch Tiere etwas wie eine Seele haben, dass wir Menschen zum Schutz aller Lebewesen verpflichtet sind.

Der in Englisch gehaltene und übersetzte Vortrag war eine mehr als gelungene Mischung aus Geschichten eines aufregenden Lebens und dem verzweifelten Kampf einiger weniger Frauen und Männer gegen die scheinbare (!) Übermacht der letztlich Ohnmächtigen. Bescheiden in der Schilderung der Erfolge, zornig in der Anprangerung der Nationen, die unter dem verlogenen Deckmantel wissenschaftlicher Forschung grausam töten, tief bewegend in der Schilderung der Qualen eines sterbenden Wals und seines Klagens.

Seine Attacken auf Walfangboote, davon versenkte er mehrere unter anderem durch Rammen mit seinem Schiff, stellen für ihn keine Gewalt dar. Und er legt größten Wert darauf, dass sich sein Handeln nie gegen Menschen richtete, Menschen wurden durch die Sea Shepherd Conservation Society, so nennt sich seine Gruppe der Schützer maritimen Lebens, nie verletzt. Noch eins streicht er besonders heraus: Sie seien keine Protestler, da Protest nichts daran ändere, dass die Meere in unvorstellbarem Maße ausgeplündert werden, was in recht kurzer Zeit zur Vernichtung der Grundlage menschlichen Lebens auf der Erde führen werde. Die Zeit, die andere mit Reden verschwendeten, investierten sie in Taten. Mit kleinen, aber beachtlichen und  beachteten Erfolgen.

Paul Watson ein Held?

Angeblich einer der fünfzig Menschen auf der Erde, die sie noch retten könnten? Ich meine, ja. Ein mutiger Mann. Ein Mann, dem man sein Mitleiden an der Qual der gequälten Kreaturen glaubt, der einen zum Mitleiden führt.

Wieder zum Anfang der Geschichte, zum Kapitän, der in fruchterregender Kurzsichtigkeit verdrängt, dass die nächste entfernte Niete sein Schiff sinken lassen kann. Parallelen mag da jeder selbst suchen und finden. Sie als sich selbst entlastende Schuldzuweisung zu nehmen, das wäre ganz sicher falsch, denn die Verantwortung tragen wir alle. 

Michael Falke